Ich habe mich gefragt, wie man das Vorlesen wie stärker im Familienalltag etablieren kann.  Wie man die Lust aufs Lesen wieder neu stärken. Wie können wir dafür Sorgen, dass die nächste Generation die Buchliebe weiterträgt?

Viele Ideen, wurzeln dabei in der eigenen Begeisterung, die man selbst für das Lesen empfindet. Doch woher kommt diese eigentlich bei mir?

Eine Kindheitserinnerung, die bis heute geblieben ist

Lesen war bei uns zu Hause immer sehr präsent. Mama beim Vorlesen zuhören. Papas Begeisterung fürs Lesen miterleben und davon profitieren.

Mein Papa war Mitglied im Weltbild-Buchclub und kaum ein Flohmarkt endete, ohne dass ein Buch mit nach Hause genommen wurde.

An einen dieser Besuche im Weltbild-Laden erinnere ich mich bis heute. Dort war dieses wunderschöne blaue Buch. Das Cover zog mich fast schon magisch an. Die Faszination. Das Kribbeln. Die Verheißung einer neuen Geschichte. Ich kenne dieses Gefühl immer noch.

Vor mir lag eine Ausgabe der Chroniken von Narnia – Der König von Narnia. Ich musste sie haben. Unbedingt.

Ich bin mir nicht sicher, ob meine Eltern sie gleich mitgenommen haben oder nicht. Auf jeden Fall bekam ich das heiß ersehnte Buch zu meinem nächsten Geburtstag.

Nach und nach waren dann alle sieben Teile gesammelt und fanden ihren Platz in der dazugehörigen Sammelbox, die bis heute auf meinem Nachttisch steht.

Ich weiß natürlich nicht, wie meine Eltern die Situation damals wahrgenommen haben. Mittlerweile weiß ich selbst, wie es ist, mit einem Kind im Laden zu stehen, das unbedingt etwas haben möchte.

Aber für mich haben meine Eltern mir mit diesem Buch ein Stück Magie geschenkt, das mich all die Jahre begleitet hat.

Von diesen sieben Büchern würde ich mich nie trennen. Nicht, weil sie besonders wertvoll sind, sondern weil sie mich an den Zauber erinnern, den Geschichten in mir ausgelöst haben. Weil diese Bücher für mich bis heute der Inbegriff von Magie sind.

Warum Bücher für mich etwas ganz Besonderes sind

In einem Buch ist alles möglich. Wirklich alles. Nichts ist zu abgedreht. Alles kann, nichts muss.

Bücher sind Heilung, sie können aber auch Wunden aufreißen. Figuren lösen Probleme, mit denen wir vielleicht selbst zu kämpfen haben. Sie wachsen über sich hinaus und zeigen uns manchmal neue Perspektiven. Und manchmal ist es einfach schön, einer Geschichte zuzusehen, die so ganz anders ist als die eigene.

Allein die Vorstellung, dass diese Welt irgendwo zwischen zwei Buchdeckeln existiert, hat für mich bis heute etwas unglaublich Magisches.

Vorlesen ist mehr als nur eine Geschichte

Als ich selbst Mutter wurde, war für mich deshalb sofort klar, dass Bücher einen festen Platz in unserem Alltag haben sollen. Ich habe der Zeit richtig entgegengefiebert, in der wir uns gemeinsam hinsetzen und diese besonderen Momente genießen können, zu denen man sich zusammen kuschelt und den Kindern vorliest.

Warum? Weil diese Zeit nur uns gehört.

Beim Vorlesen gibt es kein Multitasking. Da gibt es keine Ablenkung, kein „Ich mache nur noch schnell …“. Da gibt es nur uns und den gemeinsamen Sprung in eine Geschichte, die darauf wartet, entdeckt zu werden.

Ich wünsche mir einfach, dass sich meine Begeisterung für Bücher auf meine Kinder überträgt.

Geschichten wirken nach

Heute sitzt meine Tochter manchmal hinter mir und schaut sich Bücher an, während ich arbeite. Einmal in der Woche gehen wir gemeinsam in die Bibliothek und suchen neue Geschichten aus. Jeden Abend wird vorgelesen. Und immer wieder gibt es Momente, in denen ich merke, dass Geschichten nachwirken.

Vor einiger Zeit haben wir gemeinsam ein Buch gelesen, in dem erklärt wird, dass Monster gar nicht böse sind, sondern böse Albträume in gute Träume verwandeln. Noch lange danach hat meine Tochter davon erzählt.

In solchen Momenten wird mir bewusst, wie Geschichten Kindern helfen können, die Welt ein Stück anders zu sehen, Ängste loszulassen und sich auf etwas Neues einzulassen.

Warum die Geschichte nach dem Vorlesen nicht endet

Ich glaube aber auch, dass wir als Erwachsene oft genau an der Stelle aufhören, an der für Kinder etwas Neues beginnt.

Wir lesen eine Geschichte, klappen das Buch zu und gehen zum nächsten Programmpunkt über. Zähne putzen. Schlafanzug anziehen. Licht aus.

Kinder brauchen oft länger, um eine Geschichte für sich einzuordnen. Wenn wir uns noch zwei oder drei Minuten Zeit nehmen und nachfragen, erleben wir den Nachhall der Geschichte.

  • „Gab es etwas, das du besonders spannend fandest?“
  • „Gab es ein Wort, das du nicht verstanden hast?“
  • „Hättest du an der Stelle genauso gehandelt?“

Plötzlich geht es gar nicht mehr nur um die Geschichte. Wir erfahren, was unsere Kinder beschäftigt. Wir zeigen ihnen, dass Fragen stellen in Ordnung ist. Dass man nicht alles wissen muss. Und wir nehmen ihre Gedanken ernst.

Ich glaube, genau da passiert etwas unglaublich Wertvolles.

Kinder lernen, ihre Gedanken auszusprechen. Sie lernen, eine eigene Meinung zu entwickeln. Und sie erleben, dass ihre Meinung gehört wird. Das passiert nicht einfach so. Wir müssen sie dabei begleiten.

Geschichten als Begleiter im Familienalltag

Ich sehe das auch bei anderen Familien. Viele greifen ganz bewusst zu Kinderbüchern, wenn Veränderungen anstehen. Als ich mit meinem zweiten Kind schwanger war, haben wir ebenfalls viele Bücher gelesen, um unserer großen Tochter zu zeigen, was jetzt alles passieren wird.

Bücher können manchmal Dinge erklären, für die uns im Alltag die richtigen Worte fehlen.

Dass gemeinsames Vorlesen Kinder auf vielen Ebenen unterstützt, wird auch von der Stiftung Lesen immer wieder hervorgehoben. Sie bietet Eltern zahlreiche Anregungen rund um das Vorlesen und die Leseförderung.

Warum ich einen Kinderbuchclub gegründet habe

Dieser Gedanke hat mich unter anderem dazu ermutigt, meine Buchclub-Idee für Kinder zu verwirklichen.

Nicht, weil ich möchte, dass Kinder möglichst viele Bücher lesen oder nach jeder Geschichte etwas basteln. Nicht, weil ich so große Freude am Basteln habe.

Sondern weil ich mir wünsche, dass Kinder Fragen stellen. Dass sie erzählen, widersprechen und nachdenken dürfen. Dass Eltern zuhören und gemeinsam mit ihren Kindern entdecken, was zwischen den Zeilen steckt.

Denn Geschichten enden für mich nicht mit der letzten Seite.

Vielleicht erinnern sich die Kinder in dreißig Jahren nicht mehr daran, was wir gebastelt haben.

Aber vielleicht sagt eines von ihnen irgendwann:

„Ich erinnere mich immer noch an eine Geschichte, die wir damals gemeinsam gelesen haben.“

Ich glaube, schöner könnte man den Wert einer Geschichte kaum beschreiben.

Wenn ihr Lust bekommen habt, gemeinsam mit euren Kindern noch mehr Geschichten zu entdecken, schaut gerne auf meinem Blog vorbei. Dort findet ihr weitere Vorlesegeschichten, Ideen und Impulse rund ums gemeinsame Lesen.