Gulliver und der blaue Regenbogen

Es ist ein frostiger Wintermorgen, als Gulliver das kleine Schweinhorn aufwacht. Er gähnt, streckt sich und legt sich dann nochmal in sein warmes Nest aus Heu und Moos. Warm und gemütlich ist es. So gemütlich, dass er fast wieder eingeschlafen wäre. Aber nur fast. Er öffnet ein Auge als ihm einfällt, was er heute vorhat. Dann lächelt er und wühlt sich endgültig aus seinem Schlafplatz. Heute wird er einen weiteren grauen Regenbogen suchen – denn wo graue Regenbögen auftauchen, da wartet immer ein Wunder! Und jedes Wunder ist es wert, entdeckt zu werden. Er gönnt sich ein kleines Frühstück aus Beeren und Obst und schwingt sich dann mit seinen kleinen, lila Flügeln in die Lüfte.

Als er weit genug nach oben geflogen ist, sucht er den Himmel nach den vertrauten grauen Farben ab. Doch dann traut er seinen Augen kaum. Was ist denn das? Da ist kein grauer Regenbogen, der sich über den Himmel spannt. Der Regenbogen, den er sieht, ist in einem funkelnden Eisblau. Wie schön das am Himmel glitzert!

„Huf und Horn! So etwas habe ich ja noch nie gesehen!“, ruft Gulliver neugierig. Ohne zu zögern fliegt er auf den blau glitzernden Regenbogen zu. Er möchte unbedingt wissen, wohin ihn diese schöne Glitzer-Rutsche führen wird. Am Regenbogen angekommen, setzt er vorsichtig seine vier kleinen Hufe ab und findet sein Gleichgewicht wieder. Dann nimmt er Anlauf, und mit Schwung rutscht er den Regenbogen hinunter. 

Unten angekommen plumpst er in einen großen Schneehaufen und lacht herzhaft. Was für eine schöne Landung! Er klettert aus dem Schnee, dreht sich um und springt dann im vollen Schweinsgalopp gleich nochmal in den weichen, weißen Schnee. Hui, das macht großen Spaß!

Bevor er noch einmal springen kann, spitzt er seine Ohren. Er hört ein Geräusch. Geschäftiges Treiben, das Klingeln von Glöckchen und eine leise Musik kommen aus der Nähe. Gulliver beschließt nachzusehen, woher die Geräusche kommen. Bald erreicht er ein Dorf, das komplett aus Eis gebaut ist. Kleine Laternen aus blauem Glas hängen an den Dächern, und Schneeflocken tanzen wie funkelnde Federn durch die Luft.

Erstaunt schaut er sich in dem wundersamen Dorf um, da stolpert er über etwas Weiches, das empört aufschreit.

„Heeeey! Pass doch auf, wo du hintrittst.“, ruft es unter Gulliver. Er schaut sich erschrocken um. Er sieht einen kleinen Polarfuchs, dessen Fell so weiß und rein ist wie Zuckerwatte. Der kleine Fuchs schüttelt sich und steht auf.

„Du siehst aus, als wärst du nicht von hier.“, sagt der Fuchs und legt neugierig den Kopf schief.

„Das stimmt!“, antwortet Gulliver, „Ich bin dem schönen blauen Regenbogen gefolgt und hier gelandet. Wo bin ich hier?“

„Du bist im Winterdorf und genau zur richtigen Zeit gekommen. Bald beginnt das Winterfest, und alle bereiten sich darauf vor. Komm mit, ich zeige dir alles.“

Gemeinsam gehen Gulliver und der Polarfuchs, die sich als Kasia vorstellt, in Richtung Winterbaum. Auf dem Dorfplatz angekommen staunt Gulliver nicht schlecht. In der Mitte des Platzes steht ein großer, weißer Tannenbaum. Kleine geschäftige Wichtel schmücken den Baum mit bunten Anhängern, schimmerndem Lametta und leuchtenden Kugeln. Da hören beide ein lautes Schluchzen.

„Oh nein, das klingt nach der kleinen Eisprinzessin. Komm mit, Gulliver!“, ruft Kasia und springt um den Baum herum.

Gulliver folgt ihr und steht gleich vor einer kleinen, zierlichen Elfe. Sie trägt ein dunkelblaues Kleid. In ihren dunklen Haaren sind kleine Spangen eingeflochten, die wie kleine Schneeflocken glitzern. Sie hält sich die Hände vor ihr Gesicht und weint. Kasia stupst sie an.

„Was ist passiert, liebe Prinzessin?“

„Ach Kasia“, schluchzt sie, „Unser Eiskristall wurde gestohlen. Gestern war er noch da und heute ist er verschwunden. Ohne Eiskristall wird unser Winterbaum nicht leuchten und wenn er nicht leuchtet, weiß niemand wann das Winterfest beginnt. Niemand wird kommen und mit uns feiern.“

„Könnt ihr ihn nicht einfach suchen?“, fragt Gulliver die kleine Prinzessin.

„Es sind doch alle mit den Vorbereitungen beschäftigt. Jeder möchte, dass das Winterfest perfekt wird, und deswegen hat keiner Zeit loszugehen und zu suchen. Ich wüsste ja auch gar nicht, wo man anfängt.“

Gullivers kleines Schwänzchen zuckt aufgeregt. Er wittert ein Abenteuer.

„Ich kann den Eiskristall für euch suchen gehen.“, bietet er tapfer an.

Die Eisprinzessin schaut das kleine Schweinhorn an und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht.

„Oh, das wäre wunderbar! Damit könntest du unser Winterfest noch retten! Es soll jeder mit uns zusammen feiern können.“

„Und ich helfe dir!“, ruft Kasia aufgeregt, „Ich bin nämlich die beste Spurenfinderin in der ganzen Winterwelt.“

Gullivers Gesicht hellt sich auf. Er freut sich, dass er dieses spannende Abenteuer nicht alleine erleben muss.

„Huf und Horn - gemeinsam werden wir den Kristall mit Sicherheit finden! Los Kasia, dann machen wir uns gleich auf den Weg!“

„Wartet! Bevor ihr geht, solltet ihr noch etwas Proviant mitnehmen!“, ruft ihnen die kleine Eisprinzessin hinterher.

Schnell überreicht sie den beiden Abenteurern ein Paket mit leckeren Winterdorf-Keksen und bindet Gulliver noch einen schönen rot-blauen Schal um, damit er nicht zu sehr frieren muss. Dann verabschiedet sich die kleine Eisprinzessin und wünscht ihnen alles Gute.

 

Fortsetzung folgt am 2. Advent...

Am 2. Advent wird die Geschichte von Gulliver und Kasia fortgesetzt.

Bis dahin kannst Du dir hier ein Bild zum ausmalen herunter laden und von deinen Eltern ausdrucken lassen.

Freust Du dich schon, wie das Abenteuer mit Kasia weiter geht?

Gulliver wünscht Dir eine schöne Weihnachtszeit!