Nach fast einem Jahr Arbeit war es Mitte März endlich so weit: Ich durfte meine erste Lesung von Gulliver dem Schweinhorn halten. Und ich war tüchtig aufgeregt. Da diese Lesung im Kontext einer „Vorlese-Stunde“ stand, war natürlich klar: Da fehlt noch etwas für nach der Geschichte. Also habe ich mir Gedanken gemacht, was man als Programm noch anbieten kann, und habe Entsprechendes vorbereitet. Nachdem dann alles fertig war (Sticker, Ausmalbilder, Memory …), kam mir kurzfristig noch die Idee: ein „Halte deine Träume fest“-Bild zum Selbergestalten. Gedacht, getan, ausgedruckt. Und je länger ich über dieses sehr simple Bild nachdenke, desto besser finde ich die Idee. Mittlerweile gefällt es mir so gut, dass dazu noch ein Beitrag her muss.
Hier geht es nämlich nicht um ein schönes Give-away für Kinder. Nicht darum, dass ich mein Logo unter die Massen bringen will. Hier geht es um weitaus mehr. Ich erwähnte ja sicher schon einmal, dass ich dem Schreiben schon immer zugetan war. Als Kind wollte ich so gerne Journalistin werden. Ich hatte eine alte Triumph-Schreibmaschine für 5 DM auf dem Flohmarkt gegenüber ergattert, und ab da war eines meiner liebsten Spiele „Zeitung“. Ich will mich nicht rühmen, aber ich veröffentlichte zu dieser Zeit eine sehr kleine Auflage eines Fan-Magazins zu einem beliebten Anime, der in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiert.
Die Leidenschaft war da. Aber irgendwann ging es nicht mehr darum, was man werden will, wenn man groß ist. Irgendwann ging es darum, sich zu entscheiden, was man konkret tun wird. Und mit einem Mal schien die Hürde zu meinem Traum unüberwindbar. Wie nur sollte ich meinem Traum näher kommen? Wie fängt man das eigentlich an? An diesem Punkt schien der Traum vom Journalismus genau das zu bleiben: ein Traum. Es war dann einfacher, etwas „Universelles“ zu lernen. Etwas, das man in der Sicherheit des Zuhauses lernen kann. Also wurde die Journalistin an den Nagel gehängt und stattdessen auf die Industriekauffrau gesetzt. Letztendlich mache ich meinen „richtigen“ Job natürlich auch super gern und freue mich immer, etwas Neues zu lernen. Ich habe mich darauf konzentriert, habe mir Expertise aufgebaut und meine Leidenschaft mit der Zeit verdrängt und vergessen.
So richtig angefangen hat das Thema dann erst wieder, als mein Mann mich 2024 fragte, was ich mir zum Geburtstag wünschte. Ich dachte mir, ein Zeichenkurs wäre irgendwie nett. Und das brachte den Stein ins Rollen. Ich bekam Zeichenunterricht, lernte neue Techniken und begann wieder zu schreiben. Ich bekam Hilfe und Ermutigung aus dem engsten Freundeskreis. Und ich stellte ganz schnell fest: Die Hürde, die mich zurückhält, existiert nur in meinem Kopf. Einmal mutig genug, darüber zu steigen – vielleicht auch mit Hilfe –, kann einen nichts mehr aufhalten, wenn man nur an seinem Traum festhält.
Also bin ich hier und tue, was ich tue. Ich freue mich über jeden kleinen Erfolg und genieße das, was mir so viel Freude macht: Geschichten kreativ in Wort und Bild zu erzählen. Und wenn mich meine Kinder irgendwann fragen werden, ob ich in meinem Leben glücklich war, dann kann ich sagen: ja, weil ich letztendlich das gemacht habe, wovon ich geträumt habe. (Unabhängig davon, dass ich natürlich allein deswegen glücklich bin, weil ich zwei tolle Kinder habe – aber das Ich geht über die Mama hinaus.)
Und egal, wie meine Reise hier weitergeht, und egal, was ich erreichen werde (oder nicht erreichen werde), eins weiß ich ziemlich genau: Erfolg zu haben und seinen Traum zu verwirklichen, sind nicht dasselbe.
Und nun will ich diesen Beitrag mit folgender Botschaft beenden: Wenn eure Kinder eine Leidenschaft haben, einen Traum, eine Passion – dann haltet gemeinsam daran fest. Und wenn euer Kind dann alt genug ist, einen Traum vielleicht zum Beruf zu machen, dann seid für sie da. Helft ihnen, in dieser sehr unübersichtlichen Welt nicht den Weg aus den Augen zu verlieren. Wer weiß, welche fabelhaften Erwachsenen aus fabelhaften Kindern werden, die fabelhafte Ideen haben?
Und eins wissen wir alle doch selbst am besten: Egal, wie alt, wie groß, wie stark, wie mutig wir sind … es ist immer einfacher, den ersten Schritt zu gehen, mit einer Hand, die unsere hält.
