Irgendwo kräht ein Hahn. Ein Postauto rumpelt leise durch die Straßen. Hunde genießen mit ihren Besitzern den ersten Spaziergang des Tages. Und genau jetzt macht Sophie die Augen auf.
„Guten Morgen, liebe Sophie!“ Ihre Kuscheltiere schauen sie freundlich an. „PAH!“, denkt sich Sophie schlecht gelaunt. „Von wegen guter Morgen!“
Sophie kann Mama und Papa schon in der Küche hören. Bestimmt machen sie Frühstück. Sophie nimmt sich Pferdi und trottet in die Küche. Papa steht am Herd und brät Spiegeleier. Mama sitzt am Tisch und trinkt Kaffee. Eigentlich mag Sophie ja Eier, aber heute? Heute ist sie sauer. Und das vollkommen zu Recht!
Da hatte sie doch im Traum das ALLERALLERBESTE Schloss der Welt. Von den Zinnen konnte sie in ein Bällebad rutschen. Im Speisesaal gab es immer Wackelpudding. Das Schloss hatte vier Türen und jede Tür führte sie in eine andere Jahreszeit.
Das Himmelbett war so groß, dass zwanzig Kinder darin schlafen konnten. In einem Zimmer war ein riesengroßes Trampolin.
Aber das ist jetzt alles egal. Denn ein großer, blöder Drache kam angeflogen und hat mit seinem dicken Po alles kaputt gemacht. Und dann ist Sophie aufgewacht. Weg war es, das ALLERALLERBESTE Schloss der Welt.
Während Sophie in ihren Eiern herumstochert, kullert eine kleine Träne über ihr Gesicht. Und dann kann Sophie es nicht mehr aufhalten: Auf einmal schluchzt sie los. Mama und Papa sind erstmal ganz überrascht und sehen sich fragend an. Der Tag hat ja noch gar nicht richtig angefangen, da ist sie schon so traurig. Warum bloß?
„Na wegen dem blöden Drachen mit dem dicken Po!“, schreit Sophie. Nur mühsam und mit viel Geduld verstehen Mama und Papa dann das Problem: Der Drache hat das Traumschloss kaputt gemacht. Wie blöd! Mama kann Sophie zwar trösten, aber richtig glücklich ist Sophie trotzdem nicht.
Während des gesamten Frühstücks ist Sophie damit beschäftigt, vor sich hin zu brüten.
Sie bemerkt gar nicht, wie Mama und Papa miteinander tuscheln.
Nach dem Frühstück fährt Sophie mit Mama einkaufen und danach zu Oma und Opa. Papa bleibt zu Hause. Auch wenn jeder sich Mühe gibt, Sophie aufzumuntern, wirklich gute Laune hat sie den ganzen Tag nicht.
Sophie und Mama bleiben ganz lange bei den Großeltern. Als die beiden nach Hause fahren, geht schon die Sonne unter und färbt den Himmel und die Wolken schön rosa. Das findet Sophie immer ganz toll.
Als Papa Sophie dann den Schlafanzug anzieht, hat Sophie gar keine Lust, ins Bett zu gehen. Aber Papa ist ganz aufgeregt. Das ist seltsam! Normalerweise ist Papa nie aufgeregt, wenn er sie ins Bett bringt.
Dann macht Papa die Tür zum Kinderzimmer auf und plötzlich versteht Sophie alles.
Sie kann es kaum glauben. „Papa, warst du das?“, flüstert sie mit großen Augen.
Da, wo sonst ihr Bett steht, ist jetzt ein Schloss. Und zwar ein echtes Schloss! Papa hat ihr Bett in ein Schloss verwandelt. Über dem Bett spannt sich ein weicher Himmel aus rosa Stoff, der wie die hübschen Wolken aussieht. Kleine Lichter funkeln darin, als hätten sich Sterne versteckt.
An den Seiten wachsen Rosen über steinerne Mauern. Zumindest sehen sie so aus. Papa hat sie aus Karton gebastelt, aber für Sophie sind es echte Schlossmauern.
Quer über das Bett flattert eine bunte Wimpelkette, und ganz oben weht eine kleine Fahne. Darauf ist Sophie gemalt – zusammen mit Pferdi.
Die ganze Burg leuchtet warm und gemütlich. Hier kann es sich Sophie so richtig schön bequem machen.
„Wow“, flüstert Sophie. So eine Burg hat sie noch nie gesehen. Vor Freude drückt sie ihren Papa ganz fest. Dann klettert sie mit Pferdi in ihre Burg und sieht sich um. Diese Burg ist viel, viel schöner als die Burg in ihrem Traum, beschließt Sophie.
„Kein Drache auf der Welt kann mir jetzt noch die Laune verderben“, denkt sich Sophie und schläft langsam ein.
