DIY Meisenknödel - oder wie man sich die Natur direkt vor's Fenster holt

Es ist ein sehr grauer Nachmittag. Ich liege mit dem Baby auf dem Sofa und kuschle, als es an der Tür klingelt.
Juhu – das wird mein Probedruck für mein Naturtagebuch sein, denke ich mir.

Als ich dann noch den gelben Schimmer vor der Tür sehe, öffne ich in Erwartung, dem Postboten gegenüberzustehen, die Haustür.
Aber nein – Überraschung! Es ist die Oma in knallgelber Jacke, die uns einen selbst gemachten Meisenknödel vorbeibringt.

Interessant, denke ich mir, ich habe noch nie darüber nachgedacht, einen Meisenknödel aufzuhängen.
Also bedankt, zusammen kurz das Baby beäugt, dann zurück aufs Sofa. Aber natürlich: erst den Meisenknödel aufhängen. Die Vögelchen sollen ja etwas davon haben.

Und was soll ich sagen? Das nächste Frühstück ist ein Highlight.
Statt der Sätze „Bleib bitte sitzen.“ und „Zum Essen brauchen wir kein Spielzeug.“ sagt die Mama auf einmal: „Schau mal, eine Blaumeise!“ und „Oh, guck mal, das Rotkehlchen!“ – Blau- und Kohlmeisen haben wir nämlich viele, aber das Rotkehlchen kommt dann doch eher selten zum Schmausen vorbei (Beobachtungserfahrungen nach dem dritten Tag).

Auf einmal ist man wieder 5 Jahre alt und total begeistert.
Jede Mahlzeit wird von Vogelbeobachtungen begleitet, und über jeden Besuch freut man sich, als wäre es der erste.

Und als man denkt, das Rotkehlchen sei das Nonplusultra der hiesigen Beobachtungen, da kommt doch tatsächlich ein kleiner Rotspecht vorbei!

Die Aufregung ist groß, die Reaktion klein. Man hat ja gemerkt, dass hektische Bewegungen im Inneren die Vögel schnell wieder aufscheuchen. Also bleibt man sitzen und sagt ganz cool: „Oh, schau mal vorsichtig – da sitzt ein Specht.“ – meint aber eigentlich: „Oh mein Gott! Wie toll ist das denn? Einen Specht habe ich von so nahem ja noch nie gesehen!“

Wenn man jetzt natürlich noch ein Buch hätte, in dem man all diese tollen Begebenheiten aufschreiben könnte … zwinker, zwinker.

Aber Spaß beiseite: Das Beobachten der kleinen Vögel hat uns so eine FREUDE gemacht – den Spaß wollen wir niemandem vorenthalten. Da haben wir die Oma gleich nach der Anleitung gefragt, damit wir in Zukunft unsere Meisenknödel selber machen können.

Meisenknödel von Anna Müller | Kinderbuch-Anna.de
Meisenknödel von Anna Müller | Kinderbuch-Anna.de

Wie es mit vielen Dingen so ist, war ich ehrlich überrascht, wie simpel das doch ist: ein wenig Schmalz, ein paar Haferflocken, ein paar Körner und ein Netz (z. B. von Mandarinen oder Zitronen) – mehr braucht es gar nicht.

Alles zusammenknödeln (knödeln = Knödel. Lustig, oder?), ein bisschen anfrieren, und sobald es fest ist, kann er raus. Super einfach. In meinem Download-Bereich findet ihr dazu auch ein kleines Handout zum Herunterladen und Ausdrucken.

Materialien Meisenknoedel | Kinderbuch-Anna.de | Anna Müller
Materialien Meisenknoedel | Kinderbuch-Anna.de | Anna Müller

Allerdings gibt es auch ein bisschen etwas zu beachten, und wahre Naturfreunde halten sich natürlich daran: Verwendet bitte nur frischen Schmalz, nicht ranzig, nicht gewürzt. Das vertragen die Vögel sonst nicht gut. Der Meisenknödel sollte einigermaßen weit oben im Baum hängen, damit auch wirklich nur die Vögel herankommen und keine anderen Tiere.
Außerdem solltet ihr ihn nicht im Sommer bei hohen Temperaturen irgendwo aufhängen.

Also zusammengefasst:

  • Nur frischen Schmalz,
  • nur im Winter bzw. bei kalten Temperaturen,
  • nur in Bäume hängen.

Und wer jetzt unter die Vogelfreunde geht, kann die Essensausgabe im Winter natürlich noch mit einem „All-you-can-drink“-Angebot aufstocken.

Gerade in kalten Wintern sterben unsere Vögelchen sehr oft durch fehlendes Trinkwasser. Dem kann man mit einem sehr einfachen Trick entgegenwirken.

Ihr braucht dazu einen Tonblumentopf, ein Grab- oder Windlicht, Wäscheklammern oder Abstandshalter anderer Art und einen Teller.
Die Kerze stellt ihr in den Tonblumentopf und zündet sie an. Die Wäscheklammern steckt ihr ringsum auf den Topf. Den Teller stellt ihr dann einfach auf die Klammern.

Ziel ist es, dass der Teller leicht über der Flamme steht, die Flamme aber noch genug Luft zum Brennen bekommt.

In den Teller schüttet ihr dann Wasser. Die kleine Flamme wird dafür sorgen, dass das Wasser nicht friert und die Vögel dauerhaft Zugang zu Trinkwasser haben.

⚠️ Aber bitte: Achtet darauf, dass der Tontopf sicher steht und dass ihr die Kerze gut im Blick habt.

Feuer = Brandgefahr = gefährlich.

Also nur aufstellen, wenn man sich damit sicher ist. Wem offenes und vor allem unbeobachtetes Feuer Unbehagen bereitet, der schaut sich lieber nach einer beheizbaren Vogeltränke um.

Wenn ihr Glück habt, dürft ihr den Vögelchen dann nicht nur beim Essen, sondern auch beim Trinken zuschauen – und habt damit Vogel-TV all inclusive.

Wir für unseren Teil haben jetzt schon unseren zweiten Meisenknödel aufgehängt und freuen uns immer wieder über Besuch – ganz egal ob Kohl, Blau oder Rot – jedes kleine Vogeltier sorgt für Euphorie und bringt die Natur hautnah vors Küchenfenster.

Da kann man sich nur bei der Oma für so viel einfache Freude bedanken. 🙂